Eigentliches VoIP entbündelt
“Eigentlich könnten viele Kunden auf den Festnetzanschluss verzichten.” So beginnt Andreas Grote seinen Artikel in der Süddeutschen darüber, dass “dummerweise” der nicht entbündelte Telefonanschluss einen daran hindert, ganz auf VoIP umzustellen und so bares Geld zu sparen. Eigentlich hört sich das alles ganz toll an, mit neuerster mehrerer mbit-schwerer DSL-Technik zu telefonieren. Eigentlich könnte man meinen, dass dies heutzutage möglich ist. Ob Herr Grote das wirklich mal über längere Zeit ausprobiert hat? Die eigentlichen “eigentlich”s erwähnt er nur ganz beiläufig:
Ich hab diverse Monate mit entbündeltem DSL mit QSC hinter mir, und weiß nun, dass ein Festnetzanschluss, besser noch mit ISDN schon was feines ist. Er hat einen riesengroßen Vorteil: Man muss nicht laufend bei seinem Gegenüber entschuldigen, dass wohl wieder die Internetverbindung schuld ist, dass die Sprachqualität so unangenehm schlecht ist.
Ich hab so ziemlich alle Software-Telefone und auch eines in Hardware ausprobiert, dazu diverse VoIP-Anbieter. Ab und zu kam es bei jeder Kombination zu merklichen Verzögerungen, und alles obwohl ich die Internet-Leitung für nichts anderen benutzte.
Am besten ging immernoch das proprietäre Skype mit SkypeIn/Out. Obwohl, manchmal wundert sich der Gegenüber dann schon, dass er plötzlich einen Auslandsanruf bekommt, weil Skype dort einen billigen Carrier für ihre Telefonate aufgetrieben hat.
Verlassen möchte ich mich auf diese ganze VoIP-Technik aber auf keinen Fall. Ich kann mich kaum erinnern, dass jemals ein Festnetzanschluss nicht funktionierte. Bei VoIP kommt das leider ab und zu vor. Und es ist schon nervig, wenn man sich mit der Technik rumschlagen muss, obwohl man doch eigentlich nur telefonieren möchte.
So lange VoIP nicht an die gewohnte Zuverlässigkeit rankommt, zahle ich gerne etwas mehr für herkömmliche Telefonie. Immerhin bekomme ich dort meine 64Kbit bei jedem Anruf zugeteilt und meine Sprachdaten kommen mit konstanter Verzögerung beim gegenüber an, ganz gleich, was ich gerade sonst mit der Internetverbindung anstelle und welche Mondphase wir gerade haben.
Komischerweise wird der Qualitäts- und Zuverlässigkeitsaspekt in praktisch allen Berichten zu kurz und wird nur im Nebensatz erwähnt. Die Begeisterung für die neue Technik lässt wohl in der Probierphase manches vergessen.
Ähnliches ist mir bisher nur beim Hype des Handy-Fernsehens über UMTS untergekommen. Jeder alte protable Fernseher liefert um Längen bessere Qualität als das neue digitale Video auf dem Handy, und der Empfang ist dazu noch völlig umsonst. Trotzdem meint die Industrie, alles durch ein universelles Datennetz pressen zu müssen.
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